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Baureihe ... was ist das eigentlich?
Unter Baureihe verstehen wir den Typ beziehungsweise die Bauart und Bauweise einer Lokomotive, also ähnlich wie in vielen anderen Ländern auch, nur heissen sie oft auch Klasse. So haben die Lokomotiven einer Baureihenbezeichnung (Klasse) oder vereinfacht gesagt Baureihe meistens gemäss Definition die gleiche Radsatzfolge, also die gleiche Anordnung der Räder/Radsätze.
In Deutschland wird diese Radsatzfolge (früher Achsfolge genannt) so bezeichnet:
Die Vorlaufradsätze erhalten arabische Ziffern
Die Treibradsätze Buchstaben
und die nachlaufenden Radsätze wiederum arabische Ziffern.

Eine 1 oder A bedeutet ein Radsatz, eine 2 oder B zwei, eine 3 oder C demzufolge drei Radsätze, D vier, E fünf und schliesslich F sechs Radsätze. Bewegliche Radsätze erhalten einen Apostroph hinter der Bezeichnung, also 2C1 bedeutet demzufolge 2 Vorlaufradsätze, die beweglich angeordnet sind, 3 (= C) Treibradsätze (fest im Rahmen) und 1 Nachlaufradsatz (beweglich).
Mit Einzelradsatz angetriebene Lokomotiven (z. B. Elloks) erhalten ein kleines o dahinter, also Bo’Bo’ kennzeichnet eine Lokomotive, die jeweils zwei bewegliche Radsätze mit Einzelradsatzantrieb (Einzelachsantrieb) hat. Dieselloks, bei denen jeweils ein Drehgestell über ein Getriebe angetrieben wird, erhalten kein erweitertes Kennzeichen, also B’B’ als Beispiel bei zweiachsigen Drehgestellen.

Diese Radsatzfolge wiederum kennzeichnet den Einsatzzweck, abhängig von dem Durchmesser der Treibräder. Lokomotiven mit grossen Rädern sind schneller, aber nicht so zugkräftig, sie werden daher meist für Schnellzüge verwendet. Lokomotiven mit mittelgrossen Rädern sind vorwiegend für Personen- und leichte Güterzüge geeignet; solche mit kleinen Rädern dagegen für schwere Güterzüge und Rangieraufgaben.
(Bei den modernen Lokomotiven trifft das nicht mehr zu, hier gelten andere Gesetze. Da geringe Raddurchmesser zu hohe Umdrehungen bei hohen Geschwindigkeiten zur Folge haben, glaubte man früher, dieses nicht in den Griff zu bekommen, heute mit elektronischen Überwachungen etc. ist das kein Problem mehr.)
So haben alle Lokomotiven der Baureihe 01 - unten auf dem Foto gut zu erkennen - die Radsatzfolge 2’C1’, unabhängig von der Betriebsnummer. Denn der Baureihen-Nummer 01 folgt die Betriebs- oder Ordnungsnummer, zum Beispiel 008. Das ist dann meist die 8. Lokomotive dieser Serie.

Nun gibt es natürlich mehrere Lokomotiven mit einer identischen oder ähnlichen Radsatzfolge. Diese unterscheidet das deutsche System durch Hunderter oder Tausender Nummerngruppen. Bleiben wir bei der Baureihe 01. Da bis 1938 die Lokomotiven 01 001 bis 01 232 gebaut wurden, wäre theoretisch für die geplante Stromlinienlokomotive die nächste freie Nummerngruppe ab 01 301 gewesen, doch man wollte höher hinaus und bezeichnete sie als 01 1001 und folgende.
Die Deutsche Reichsbahn in der DDR plante in den fünfziger Jahren auch eine neue Baureihe 01, die dann 01 2001 heissen sollte. Da dieses aus verschiedenen Gründen nicht realisiert werden konnte, wurden nur 35 Lokomotiven der alten 01 rekonstruiert (also mit neuen Hauptbauteilen versehen, wie neue Kessel, neue Zylinder etc.) und dann als 01 501 und folgende bezeichnet.
Nun entstand der Zwang, diese einzelnen Hunderter- oder Tausendergruppen auseinander zu halten.
So kamen die Erfinder dieser Baureihenbezeichnungen auf eine weitere intelligente Lösung:
Die Lokomotiven 01 001 bis 232 (später bis 241, theoretisch bis 300) wurden als 01.0-2 bezeichnet,
oder als 01 hoch 0-2, vereinfacht auch 01 hoch 0,  also 010-2 oder vereinfacht 010 bzw. 01.0.
Die Reichsbahn-Reko-Loks demzufolge als 01 hoch 5  also 015 oder 01.5.
Die Stromlinienlokomotiven logischerweise als 01 hoch 10   also 0110 oder 01.10.
Diese vereinfachte Schreibweise 01.0 oder 01.5 usw. war/ist erforderlich, weil diese Hochzahlen mit der Schreibmaschine damals (und heute noch) nur sehr zeitaufwendig zu realisieren waren.

Diese Baureihenbezeichnung aber enthält noch mehr Informationen für Eingeweihte. So sind die geraden Anfangsziffern (dazu zählt auch die Null) Einheitslokomotiven, die ungeraden Länderbahnlokomotiven. Doch dieses System wurde dann später durchbrochen, da es nicht genügend freie Baureihengruppen gab oder derjenige, der die Baureihe festlegte, geschlafen hatte (z.B. Baureihe 71 Neu, obwohl die 63 oder 69 noch frei gewesen wäre).
Die Unterteilung aber geht weiter. Aus der Länderbahnzeit gab es viele Gattungen, diese wurden in das neue ab 1925 gültige System integriert:

Die Schnellzuglokomotiven (Gattung S) haben die Baureihen-Bezeichnungen von 01 bis 19 erhalten,
davon waren die 01 bis 10 Einheitslokomotiven und ab 12 bis 19 Länderbahnlokomotiven.

Die Personenzuglokomotiven (Gattung P) wurden zu 20 bis 39,
dabei sind die Länderbahn-Personenzuglokomotiven von  33 bis 39.

Die Güterzuglokomotiven (Gattung G) wurden zu 40 bis 59,
dabei sind die Länderbahn-Güterzuglokomotiven von 51 bis 59,
spätere Einheitslokomotiven abweichend von 41 bis 52 (obwohl genug Nummern frei gewesen wären).

Die Baureihen 01 bis 59 werden als Schlepptender-Lokomotiven bezeichnet, das heisst, sie “schleppen” ihren Tender (Kohlewagen) als besonderen (austauschbaren) Wagen hinter sich her.

Mit der Baureihe 60 fangen die Tender-Lokomotiven an. Das heisst, diese Lokomotiven haben keinen eigenen Tender (Kohlewagen), sondern führen die Vorräte auf der Lokomotive in seitlichen, unteren oder hinteren Kohle- und Wasserbehältern mit.
 
Die Personenzugtenderlokomotiven (Gattung Pt und St) sind die 60 bis 79,
davon 69 bis 79 Länderbahn (mit Ausnahme der 71.0, die später zum zweiten Mal belegt wurde),

die Güterzugtenderlokomotiven (Gattung Gt) sind die 80 bis 96,
davon 88 bis 96 Länderbahn (mit Ausnahme der 89.0, die später zum zweiten Mal belegt wurde).

Damit sind eigentlich alle normalen Lokomotiven erfassbar, doch es geht weiter:

Die Baureihe 97 umfasst alle Zahnradlokomotiven (Gattung Z),

die Baureihe 98 alle Lokalbahn- oder Secundärbahn-Lokomotiven (Gattung L)

und schliesslich ist die Baureihe 99 das Sammelsurium für Schmalspurlokomotiven (Gattung K - weil S ja schon belegt war - was nun wiederum Kleinspur bedeuten sollte!).

Während bei fast allen Baureihen, auch die der ehemaligen Länderbahnen (das waren die bis zum Inkrafttreten des neuen Schemas 1923 bereits vorhandenen Bauarten) Hundertergruppen zur Unterscheidung dienen,
mussten bei den Kleinspur- respektive Schmalspurlokomotiven Zehnergruppen gewählt werden, daher zählen die 99 5901 bis 5906 zur Baureihe 99590 oder 99.590.

Die neuen Baureihen-Bezeichnungen seit 1968/1970 sind weiter unten erklärt.

Die Gattungsbezeichnung

Früher (und heute bei einigen Lokomotiven) ist ein Gattungszeichen angebracht worden, was wiederum auf die Gattung (siehe oben) zurückgeht, aber weitere ergänzende Angaben enthält. So hat zum Beispiel die Baureihe 01 das Gattungszeichen S 36.20.
S bedeutet Schnellzuglokomotive,
die 36 bedeutet 3 angetriebene Radsätze,
die 6 dann die Gesamtzahl der Radsätze,
und die 20 die Radsatzlast (früher Achsdruck,  in der DDR-Literatur fälschlich als Achsfahrmasse
[! - was für ein idiotischer Begriff - !] bezeichnet (kann die Achse fahren und dabei eine Masse bilden? - aber wir wollen doch nur wissen, welche Belastung oder Last oder Masse die Achse oder der Radsatz auf die Schiene bringt, also auch im Stillstand, nichts mit fahren [das wäre auch eine dynamische Kraft, die in Newton zu messen wäre]. Also die Radsatzlast (oder wie früher gesagt wurde: der Achsdruck) wird in Tonnen gemessen. Er stellt den höchsten Wert dar, den irgendeiner der Radsätze der Lok aufbringt. Da gibt es auch Toleranzen, aber die interessieren uns im Augenblick nicht. Also bedeutet die 20 bei S36.20 dann 20 Tonnen maximale Radsatzlast. Dieses war früher einmal wichtig, da viele Strecken nur für 15 oder 17 Tonnen zugelassen waren, und so konnte jeder gleich ohne Umzurechnen an der Lok ablesen, welche Radsatzlast die Lok hat.

Hier die Anschriften an der 01 005. Oben das Schild der Eigentums-Bahngesellschaft, hier Deutsche Reichsbahn, darunter die Betriebsnummer, die sich aus der Baureihen- und Ordnungsnummer zusammensetzt, links die Heimat-Direktion und das Heimat-Bw, rechts das Gattungsschild. Unten die Brems-Art und die letzte Bremsrevision (Knorr-Bremse mit P- und G-Stellung und Zusatzbremse, Brems-Revision in Güsten (Gt).

Das Dreieck im Gattungsschild mit dem Aufsatz bedeutet, dass diese Lok nach der EBO (Eisenbahn-Betriebs-Ordnung) nicht profilfrei ist, aber durch Abnahme bestimmter Teile (wie z. B. den Kaminaufsatz) wieder profilfrei werden kann (z. B. bei einer Fahrt ins Ausland, dort hängt teilweise die Fahrleitung niedriger als bei uns).

Hier die Anschriften der 99 222 der HSB mit dem Eigentümer-Schild Harzer Schmalspurbahnen. Interessant ist das Dreieck im Gattungsschild, was hier eigentlich nichts verloren hat, denn für Kleinbahnen gibt es diese Profile nicht.

Leider konnte mir niemand bei der HSB plausibel erklären, was es denn mit dem Dreieck auf sich hätte. Dazu kommt, dass die Mallet-Lokomotive 99 5901 kein Dreieck hat, die Schwesterlok 99 5902 dagegen ein Dreieck mit dem Strich darüber:

Die einzig plausible Erklärung ist die, dass, wenn die Lokomotive auf dem Schmalspurtransportwagen zur Überführung ins Ausbesserungswerk (AW, RAW) war, hier der Kamin abgenommen werden konnte, und damit war die Lok auf dem Wagen sozusagen profilfrei. Dann wäre die Beschilderung der 99 5902 richtig, auch die der 99 222, weil hier kann nichts abgenommen werden, die Lok trägt das Dreieck, da sie ins Profil hineinragt, was aber (noch) zulässig ist.
Was aber gar nicht passt, ist dann die Beschilderung der Neubaulokomotiven, hier gab es zu Zeiten der DR (Deutschen Reichsbahn) meist gar keine Begrenzungszeichen (also gar kein Dreieck), ab 1992 tauchen plötzlich das Dreieck und der Strich, mal aber auch nur das Dreieck auf ... Denn die Neubauloks waren nicht profilfrei, vor allem im Bereich des Mischvorwärmerkastens, deshalb war dieser zeitweise mit einer weiss lackierten Ecke versehen worden, wie auf dem unteren Bild gerade noch zu erkennen ist:

Doch die Baureihenbezeichnung von 1922 hat sich bis heute über alle Umbenennungen, Umorganisationen etc. gerettet. 1968 begann die DB und zwei Jahre später die DR eine computergerechte Baureihennummer einzuführen. Dabei zeigten sich grundlegende Unterschiede, denn die DB verfügte 1968 nur noch über knapp 1000 Dampflokomotiven, die DR dagegen über geschätzte 2500. Daher behielt die DR die Dampflok-Baureihennummern bei und machte die fünfstelligen Nummern sechsstellig. Nur die mit 1 oder 2 beginnenden Baureihen wurden umbezeichnet.
Bei der DB dagegen erhielten die Dampflokomotiven eine 0 vor die Baureihe, doch auch das System war nicht einfach, denn sechsstellige Nummern mussten so auf fünf zurückgeführt werden. Was nicht immer rei´bungslos klappte, aber auch bei der DR gab es Probleme.  C

Die Compter-Nummer

setzt sich aus der Baureihen-Nummer zusammen, diese wird dreistellig, gefolgt von einer dreistelligen Ordnungsnummer und einer Kontrollziffer, die sich nach dem Bindestrich befindet. Diese Kontrollnummer war früher erforderlich, um Schreib- und Übertragungsfehler zu vermeiden. Seit ein paar Jahren wird die sogenannte NVR-Nummer verwendet, doch wenden wir uns zunächst dem DB-Schema zu. Interessanterweise ist die Kontrollziffer-Berechnung bei der DB und DR identisch (oder glücklicherweise).

Die Deutsche Bundesbahn (DB) behielt die Baureihennummer, soweit sie zweistellig war, weitestgehend und setzte eine Ziffer vornde vor, die die Verwendungs- oder Betriebsart bezeichnet:

0  Dampflok
1  elektrische Lokomotive
2  Verbrennungsmotor-Lokomotive
3  Kleinlokomotive

4  Elektrische Triebwagen
5  Akkumulator-Triebwagen
6  Verbrennungsmotor-Triebwagen
7  Dienstfahrzeuge, Schienenbusse

8  Steuer-, Bei- und Mittelwagen zur Gruppe 4 und 5
9  Steuer-, Bei- und Mittelwagen zur Gruppe 6 und 7

Dieses Schema war für Lokomotiven mit fünfstelligen Betriebsnummern einfach, aus der Dampflok 01 008 wurde die 001 008-2, aus der E10 101 die 110 101-3, aus der V36 222 die 236 222-6, aus dem ET25 001 der 425 101-3, aus dem VT12 501 der 612 501-7, aus dem ES25 001 der 825 001-1 und aus dem VS12 501 der 912 501-4, aus dem VM12 501 wurde der 912 601-2. Wie zu erkennen, gab es schon leichte Abweichungen bei der Umbezeichnung. Noch schwieriger wurde es bei Fahrzeugen mit sechstelligen Betriebsnummern, so wurde aus der 01 1001 die 012 001-4, aus der 01 1056 die 011 056-9, diese lag daran, dass die ölgefeuerte 01 1001 sich von der rostbefeuerten 01 1056 schon in der Baureihennummer unterscheiden sollte. Diese Unterscheidung wurde auch bei den 41ern und 44er Öl verwendet, die zur 042 und 043 wurden. Die rostgefeuerten zur 041 und 044. Doch es gab noch weitere Änderungen, die Lokomotive 98 1125 sollte zur 097 125-9 werden und die ölgefeuerte 50 4011 zur 054 011-2, doch das passierte nicht mehr, letztere fiel am 24.02.1967 der Ausmusterung anheim, die 98 1125 wurde bereits im Herbst 1967 auf z-gestellt und daher nicht mehr umgezeichnet.
Doch es wurde noch schwieriger, denn aus der 50 1004 wurde die 051 004-0, aus der 50 2020 die 052 020-5, aber aus der 50 3000 wurde nicht die 053 000, sondern 053 003-0, dagegen aus 50 3001 richtig die 053 001-4. Die Baureihe 03.10 gab es schon nicht mehr, ob sie zur Baureihe 004 mutiert wäre, ist reine Spekulation. Aber nur mit der Baureihe 01 und 50 war es möglich, die Tausendergruppen durch die Baureihen-Nummer zu unterscheiden, was bei allen anderen nicht der Fall war. So gab es die 38 2383 und die 38 3383, erstere wurde zu 038 382-8, letztere zu 038 383-6, das widersprach der Praxis, dass die niedrigste Betriebsnummer Vorrang hatte. Denn bei der 44 1044 fing es an, diese wurde zu 044 045-3, gefolgt von der 44 1050, die zur 044 046-1 mutierte, und so weiter bis zur 44 1684, die zur 044 688-0 wurde. Auch bei den 55ern und 94ern gab es Probleme, so wurde aus 55 3738 die 055 737-1, aus 55 4100 die 055 101-0 usw. und aus 94 1539 die 094 540-2, um nur einige Beispiele zu nennen. Doch die Ausmusterungswelle der Dampflokomotiven war im vollen Gange und viele Lokomotiven wurden erst 1969 umgezeichnet und waren zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr betriebsfähig, so dass die Umnummerierung nur noch buchmässig erfolgte.
Vergessen wurden die 38 2791 (038 791-0) und 78 298 (078 298-7), diese wurden tatsächlich umgezeichnet. Vergessen wurden auch zwei auf z gestellte Lokomotiven (z = von der Ausbesserung zurückgestellt, praktisch zur Ausmusterung vorgesehen), es waren dies 50 1048 und 50 2266, die aber am 11.12.1968 ausgemustert wurden und somit aussen keine neuen Nummern mehr trugen.
Aber es wurde stets versucht, die alten Nummern beizubehalten, so wurde aus ETA 150 661 der 515 661-7, aus ETA 176 001 der 517 001-4, aus VT 11 5 001 der 601 001-1, die Schienenbusse VT 95, VT 97 und VT 98 wurden den Dienstfahrzeugen zugeordnet, also zu 795, 797 und 798. Als Besonderheit sind die Rheingold- und Rheinpfeil-E10.12 zu nennen, bei denen wurde aus E 10 1265 die 112 265-4 und aus E 10 1312 die 112 312-4.
Dieses System hat sich im Prinzip bis heute bewährt, denn 1994 wurden bei der Umzeichnung des ehemaligen Bestandes der DR dieses fortgeführt.

Bei der Deutschen Reichsbahn (DR) war die Situation 1970 anders, der Grossteil des Bestandes waren Dampflokomotiven, so dass hier diese im Prinzip ihre Betriebsnummern behielten, nur die Baureihen 18, 19, 22, 23 und 24 mussten neu bezeichnet werden, in 02, 04, 39, 35 und 37. Denn die Nummerngruppe 100-199 waren den Verbrennungsmotor-Lokomotiven und -Triebwagen zuzuordnen, die Nummerngruppe 201-299 den elektrischen.
Auch hier versuchten die Eisenbahner, die ursprünglichen Nummern beizubehalten, allerdings wurde in die Trickkiste gegriffen, um aus fünfstelligen Nummern nun sechsstellige zu machen. Aus 01 084 wurde 01 2084-0 (übrigens bei der DB gab es die gleiche Nummer ex 01 1084), also die rostgefeuerten erhielten die Zwischenziffern 1 bis 8, die ölgefeuerten die Zwischennummer 0 und die kohlenstaubgefeuerten die 9. Also wurde aus der ölgefeuerten 01 501 die 01 0501-5, aus der rostgefeuerten 01 506 die 01 1516-2. Ähnlich war es bei der Baureihe 03, aus 03 019 wurde 03 2019-2, aus 03 1019 aber, da sie ölgefeuert war, 03 0019-4. Lediglich die rostgefeuerten 03 1057 und 03 1087 behielten ihre Nummern.
Die Nummerngruppe 100 ff. war ja den Diesellokomotiven zugeteilt worden, aus der V100 wurde 110 und aus der V180 die 118, aus der V60 allerdings die 106 und aus der V36 die 103, aus der V23 die 102, aus der V16 die 101 und aus den Köf die 100. Schienenbusse wurden zu 171 und 172, die anderen Triebwagen zu 175 (VT 18.16) und zu 182 bis 187, 188 wurden die Sonderfahrzeuge (Oberleitungsrevisions-VT und Mess-VT), 190 etc. die Bei-, Mittel- und Steuerwagen, wenn sie eine eigene Baureihennummer trugen (VB 140, VS 145 etc.), sonst wurden sie mit dem Hauptfahrzeug genummert, also VM 18.16.01 wurde zu 175 101-5. Das unterschied sich vom DB-System.
Bei den elektrischen Lokomotiven wurde aus der E04 die 204, aus E 04 01 die 204 001-2, aus E11 001 die 211 001-3 (bei der DB gab’s die gleiche Nummer ex V100 1001), aus E44 die 244, nur aus der E94 wurde 254. Denn die Nummerngruppen ab 270 waren für Triebwagen vorgesehen, so 270 bis 278 für S-Bahn-Triebwagen, 279 für Gleichstrom-Oberleitungstriebwagen (Buckow, Cursdorf) und ab 280 die Wechselstrom-Oberleitungstriebwagen, belegt wurde nur die Baureihe 285 ex ET25, wobei die ursprüngliche Ordnungsnummer des 285 001-4 ja ET 25 012 war.
Eigentlich schreiben wir die Nummern bei den Dampflokomotiven falsch, richtig wäre 030 019-4 und demzufolge auch 012 118-6. Bei einigen Schmalspurlokomotiven, die ja zur Unterscheidung auch Zwischenziffern erhalten hatten, und zwar 1 und 4 für 750 mm, 2 für 900 mm, 3 für 600 mm, 5, 6 und 7 für 1000 mm, erkennt man es, wenn es auf dem Schild eher nach 991 608-1 aussieht als nach 99 1608-1. Doch die Eisenbahner sahen und sehen das nicht so eng, sie lassen manchmal die Lücke fast weg oder schreiben 99 7238-1 (wie oben auf dem Bild), obwohl nach reiner Lehre 997 238-1 richtig wäre.

1994 begann das gemeinsame deutsche Baureihensystem, das wir eigentlich bis 1968 auch hatten, nur sind die neuen Nummern wieder computer-kompatibel, wie schön sich das anhört, also computer-gerecht. Dazu mussten einige DB-Lokomotiven umgezeichnet werden, so die Lokomotiven der Baureihe E10 für 160 km/h, die als 112 bezeichnet worden waren, in 113 umgezeichnet werden. Folgende neuen Baureihen entstanden:

DB 112 in 113  ex E 10.12
DR 211 in 109  ex E 11
DR 212 in 112
DR 242 in 142  ex E 42
DR 243 in 143
DR 244 in 144  ex E 44 (wie DB)

DR 250 in 155
DR 252 in 156
DR 251 in 171  ex E 251
DR 230 in 180
DR 254 in 194  ex E 94

DR 110 in 201  ex V 100
DR 112 in 202
DR 114 in 204
DR 111 in 293
DR 108 in 298
DR 105 in 345

DR 106 in 346  ex V 60
DR 118 in 228  ex V 180
DR 119 in 219
DR 120 in 220  ex V 200
DR 130 in 230  ex V 300
DR 142 in 242

Dazu kommen die 171/172, die zur 771/772 werden, die Beiwagen zu 971/972, ebenso werden aus 175, 185 und 186 die 675, 685 und 686, die Gleichstrom-Triebwagen 275-279 werden zu 475 bis 479, die 270 zu 485, die nur in West-Berlin eingesetzte Baureihe 480 behält diese Nummer. Lediglich die Schmalspur-Diesel-Fahrzeuge sollten eigene Nummerngruppen erhalten, so die im Harz eingesetzten 199.8 (Umbau aus 110.8, V 100) als 299 und auch die Kleinlokomotiven für Schmalspur sollten die Nummerngruppe 399 erhalten, gleichzeitig wurden die auf Wangerooge eingesetzten 329 ebenfalls der neuen Baureihe 399 zugeschlagen.
Die Dampflokomotiven wurden dem alten DB-Schema angepasst, zwar nicht ganz korrekt, aber immerhin. Die Schmalspurlokomotiven wurden zur 099, die Ordnungsnummern 110 bis 157 sollten für 1000 mm (Harz) bestimmt sein, hier fand die Umzeichnung nicht mehr statt (genau wie bei den Dieselloks der Baureihe 199), da die HSB vorher den Betrieb übernahm. Die Ordnungsnummern 701 bis 782 waren für die 750-mm-Lokomotiven bestimmt, hier sind auch die meisten tatsächlich umgezeichnet worden, auch bei den Ordnungsnummern 901 bis 905, die den 900-mm-Loks zugeteilten wurden, erfolgte weitestgehend die Umzeichnung. Die noch betriebsfähig erhaltenen Lokomotiven der Baureihe 50 und 52 wurden zur 050 und 052, wobei die bisherige dritte Ziffern ersatzlos entfiel, also aus 50 3545-6 wurde 050 545-3, aus 52 8195-1 die 052 195-5, aber hier waren Umzeichnungen selten, auch die 86 1333-3 wurde nicht als 086 333-2 eingesetzt, sondern weiterhin unter ihrer bisherigen Nummer, da Plandienste mit ihnen in der Regel nicht durchgeführt wurden.

Im Jahre 2006 wurde nun endlich das schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts angedachte System mit den UIC-Nummern realisiert, die neuen Nummern heissen nun NVR-Nummern (Nationales Fahrzeug-Register, national vehicle register) und in ihnen sind in Deutschland die Computernummern, die seit 1994 gelten, integriert worden. Dieses System habe ich im BIM Ausgabe 7/2010 ausführlich beschrieben.

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